Freitag, Oktober 12, 2007

Das Presse-Prinzip.

Mich beschäftigt zur Zeit die Diskussion um Eva Hermans Aussagen, bzw. Zitate und die Reaktion, also den Rauswurf vom NDR und danach aus der Sendung von Johannes B. Kerner. Vorweg möchte ich nehmen, dass ich die Bücher nicht gelesen habe, die so heiß diskutiert werden. Vielmehr geht es mir hier um den Umgang der Medien mit dieser Frau. Man schreibt, sie habe sich mißverständlich ausgedrückt, wie z.B. in diesem Zitat:

„Es ist völlig absurd und bösartig, mich in die rechte Ecke zu stellen. Was ich zum Ausdruck bringen wollte, war, dass Werte, die ja auch vor dem Dritten Reich existiert haben, wie Familie, Kinder und das Mutterdasein, die auch im Dritten Reich gefördert wurden, anschließend durch die 68er abgeschafft wurden. Vieles, was in dieser Zeit hochgehalten wurde, wurde danach abgeschafft. Und dazu gehören Werte, die uns auch vor dem Dritten Reich zusammengehalten haben und uns ja auch das Überleben gesichert haben. Familie nämlich.“


Ohne Frage ist der Nationalsozialismus in unserer Gesellschaft ein Tabuthema, das nicht ohne Grund. Jeder weiß von den Verbrechen und wie sehr vorsichtig man sein muss, wenn man sich über Diese äußert. Nur Wenige haben wirklich erlebt, was damals passierte. Diese Zeit wird immer an Deutschland haften bleiben, auch nach vielen Jahren und das ist auch gut so, es gibt da nichts schönzureden. Auf keinen Fall dürfen diese Fakten verharmlost oder verfälscht dargestellt oder überliefert werden.

Aus der Tatsache heraus, dass das die Verbrechen des Dritten Reiches ein Reizthema sind und jeder um die geschichtlichen Hintergründe wenigstens nur etwas Bescheid weiß, ergibt sich eine Art Sensation darum, genau wie um den Irakkrieg, Unfälle, Affären, Terror, eben Dinge die sofort die Aufmerksamkeit vieler Menschen auf sich ziehen. Das liegt in der Natur des Menschen. An diesen Punkten ist es schwer objektiv zu diskutieren ohne dabei emotional zu werden. So ging es auch den Teilnehmer dieser Talkshow.

Eva Herman hat sich offensichtlich mit der Thematik der frühkindlichen Entwicklung auseinandergesetzt und dabei richtig herausgefunden, wie wichtig die Bindung des Kindes an die Mutter und später an Bezugspersonen für die Entwicklung des Kindes sind. Aus diesen Tatsachen heraus folgt der Schluss, dass Mutter viel Zeit in die Erziehung des Kindes stecken sollte. Mit der Emanzipation der Frau und immer weiter wachsendem Drang des Menschen, sich selbst zu verwirklichen, entsteht die Problematik, das Wenige Zeit für Kinder haben oder Kinder nicht in diese Selbstverwirklichungspläne passen. Der gesellschaftliche Erfolgsdruck bringt Frauen in Bedrängnis, sich für Karriere oder Kinder zu entscheiden. Ein Spagat ist schwer möglich, weil wie gesagt, das Kind eine Mutter voll auslasten würde, will man, dass es sich "perfekt" entwickelt. Diese Umstände sind sicher auch Ursachen für die sozialen Probleme der Kinder heute. Die Lösung dieser Probleme könnten daher in der Vergangenheit liegen. Früher war die Rollenverteilung klar geregelt, der Mann sorgt für den Familienunterhalt und die Frau kümmert sich um weitestgehend um die Erziehung. In der Nazizeit allerdings, wurde die Rolle der Frau und die Werte in diesem Zusammenhang bis zur Unmenschlichkeit pervertiert. Das weiß auch Frau Herman, dennoch hat sie nur die geschichtliche Entwicklung dieser Werte und des Mann-Frau-Kind-Gefüges untersucht und die Grundwerte, die aber durch die Perversion wie nichtig geworden sind, hervorgekehrt.

Frau Herman distanziert sich unzählige male von diesen Verbrechen und dem braunen Gedankengut, doch wird sie immer wieder in diese Richtung gedrängt. Eben aus dem Grund, dass die Medienwelt mit diesem Reizthema Schlagzeilen machen kann. Aus diesen Reaktionen der Medien entsteht die Diskussion, dass man sich heute über dieses Thema in der Öffentlichkeit nicht äußern dürfte, was wiederum für Zündstoff sorgte.

Mal davon abgesehen, dass ich nicht weiß, inwieweit ein kommerzieller Zweck hinter den Bücher der Frau Herman oder dem Geschehen darum steh, findet das Thema, auf was Frau Herman aufmerksam machen will Beachtung. Jeder sollte sich selbst seine Meinung darüber bilden und ich finde den unkonstruktiven und undemokratischen Umgang der Medien mit Frau Herman sehr unfair. Allerdings ist natürlich eine pseudowisschenschaftliche Auseinandersetzung mit diesen höchst wissenschaftlichen Theman provokant und gewagt - von mir und von Frau Herman.

wer sich weiter informieren will, dem sei YouTube und auch die Reaktionsvideos ans Herz gelegt.